Speiseplanung

Speiseplanung mit saisonalen Produkten in Deutschland, Erntekalender und Bezugsquellen

Speiseplanung erstellen mit saisonalen Produkten: Erntekalender, Anbaugebiete, Bezugswege und Kalkulation für Großküchen in Deutschland erklärt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Speiseplanung erstellen heißt in der Gemeinschaftsverpflegung, Erntefenster, Bezugswege und Kalkulation zusammen zu führen.
  • Der Erntekalender für Deutschland liefert je Monat und Region die Produkte, die frisch, reif und günstig verfügbar sind.
  • Regionale Anbaugebiete von Niedersachsen bis Baden-Württemberg haben unterschiedliche Lieferfenster, die den Warenkorb bestimmen.
  • Großhandel, Erzeuger und Bündler sind die drei Bezugswege für Großküchen, jeder mit eigenen Mindestmengen und Preisen.
  • Der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes macht Preisentwicklung nachvollziehbar und trennt Saison von Inflation.
  • Mengenplanung nach Erntefenster und Kennzeichnung der Herkunft senken Kosten und Lebensmittelabfälle.

Warum saisonale Speiseplanung in Großküchen wirtschaftlich ist

Saisonale Speiseplanung ist zuerst eine Rechenaufgabe. Wer im Juli Kohl aus beheiztem Anbau einkauft, zahlt für Energie, Lagerung und weite Wege, die in keiner Rezeptur auftauchen, aber auf der Rechnung stehen. Wer im Juli Zucchini, Gurke und Buschbohnen aus dem Umland verarbeitet, kauft Ware, die gerade reif ist und deshalb weniger Sortierung, weniger Kühlkette und weniger Verlust mitbringt.

Das gilt in der Gemeinschaftsverpflegung stärker als in der Gastronomie. Schulen, Kitas, Betriebsrestaurants und Veranstaltungscatering planen in festen Zyklen, oft für vier bis sechs Wochen im Voraus. Ein Speiseplan, der sich am Erntekalender orientiert, macht diese Zyklen planbar, weil die Verfügbarkeit nicht von Tagespreisen abhängt, sondern von der Jahreszeit.

Hinzu kommt die politische Vorgabe. Die DGE-Qualitätsstandards für Verpflegung in Schulen, Kitas und Betrieben verlangen eine ausgewogene Auswahl, die sich an regionalen und saisonalen Angeboten orientieren soll. Das Nationale Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule (NQZ) und das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) liefern dafür Arbeitshilfen. Wer saisonal plant, erfüllt diese Vorgaben nicht nebenbei, sondern im Kern.

Der wirtschaftliche Hebel liegt in drei Punkten. Erstens sinken die Wareneinsatzkosten, weil Erntemengen den Preis drücken. Zweitens sinken die Lagerkosten, weil frische Saisonware kürzer gelagert wird. Drittens sinkt der Aufwand für Ausweichgerichte, weil der Plan nicht ständig an Lieferengpässe angepasst werden muss.

Die Ressourcenschonung in Produktion und Konsum ist dabei kein Zusatzargument, sondern die Grundlage der Kalkulation.

Erntekalender für Deutschland: Monate, Produkte, Regionen

Der Erntekalender für Deutschland ist kein einzelnes Dokument, sondern eine Übersicht über Freiland- und Lagerware. Freilandware ist nur in ihrem Fenster verfügbar, Lagerware wie Äpfel, Kartoffeln, Zwiebeln und Kohl hält sich über Monate. Für die Speiseplanung zählt beides, aber getrennt, weil sich nur Freilandware wirklich saisonal kalkulieren lässt.

Die folgende Tabelle zeigt typische Erntefenster in Deutschland. Sie ersetzt keine regionale Auskunft, gibt aber das Gerüst für die Jahresplanung.

Monat Freiland-Ernte Lagerware
April Radieschen, Salat, Spinat, Spargel (ab Mitte) Äpfel, Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren
Mai Spargel, Kohlrabi, Salat, Erdbeeren Äpfel, Kartoffeln, Rote Bete
Juni Erdbeeren, Kohlrabi, Zucchini, Erbsen Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln
Juli Gurken, Bohnen, Zucchini, Heidelbeeren Kartoffeln, Möhren
August Tomaten, Paprika, Pflaumen, Bohnen Kartoffeln, Zwiebeln
September Kürbis, Äpfel, Birnen, Lauch, Kohl Kartoffeln, Möhren, Rote Bete
Oktober Kürbis, Kohl, Lauch, Quitten Äpfel, Kartoffeln, Möhren
November Grünkohl, Rosenkohl, Feldsalat Äpfel, Kartoffeln, Kohl, Rüben
Dezember Feldsalat, Grünkohl, Rosenkohl Äpfel, Kartoffeln, Kohl, Rüben

Im Januar bis März dominiert Lagerware. Frisches kommt dann aus dem Gewächshaus, aus dem Folientunnel oder aus Importen. Wer in diesen Monaten saisonal kochen will, plant Kohl, Rüben, Lauch und Hülsenfrüchte aus Lagerbeständen ein und nutzt Tiefkühlware aus der Vorjahresernte.

Für die Speiseplanung heißt das: Der Erntekalender liefert die Grundlage, aber der Einkauf muss die konkrete Verfügbarkeit bestätigen. Ein Anbaubetrieb in Niedersachsen erntet später als einer in Baden-Württemberg. Deshalb gehört zu jedem Plan eine Rückfrage beim Lieferanten, bevor die Woche festgeschrieben wird.

Regionale Anbaugebiete und ihre Lieferfenster

Deutschland hat keine einheitliche Saison. Die Anbaugebiete unterscheiden sich nach Klima, Boden und Höhenlage, und damit verschieben sich die Lieferfenster um zwei bis vier Wochen.

Nordrhein-Westfalen liefert über den Niederrhein und das Münsterland früh Salat, Kohlrabi und Spargel. Bayern hat mit Niederbayern und dem Alpenvorland ein späteres, aber langes Fenster für Kohl, Rüben und Kartoffeln. Baden-Württemberg bringt über die Rheinebene und den Bodensee früh Obst und Gemüse, darunter Erdbeeren, Salat und Spargel.

Niedersachsen ist das größte Gemüseanbaugebiet Deutschlands, mit Schwerpunkten im Emsland, Ammerland und Altes Land. Von dort kommen Möhren, Kohl, Spargel, Äpfel und Salat in großen Mengen. Hessen liefert über das Rhein-Main-Gebiet und Nordhessen Spargel, Salat und Beeren. Sachsen hat mit dem Elbtal ein frühes Fenster für Obst und Gemüse und später Kohl und Kartoffeln.

Berlin und Brandenburg sind ein Sonderfall. Die Anbauflächen reichen bis an die Stadtgrenze, das Fenster ist kontinentaler und damit kürzer, aber für Salat, Spargel, Beeren und Kohl ausreichend. Rheinland-Pfalz bringt über die Pfalz und Rheinhessen früh Obst, Gemüse und Wein, dazu Kartoffeln und Spargel.

Für Großküchen bedeutet das: Wer überregional einkauft, kann Saisonware fast ganzjährig beziehen, verliert aber die kurzen Wege. Wer regional einkauft, hat kürzere Fenster, dafür planbare Preise und eine Herkunft, die sich belegen lässt. Die Wahl hängt davon ab, ob der Speiseplan die Saison abbilden oder nur günstig sein soll.

Bezugswege für Großküchen: Großhandel, Erzeuger, Bündler

Großküchen haben drei realistische Bezugswege. Jeder hat eigene Bedingungen, und die meisten Küchen kombinieren sie.

Der Großhandel liefert das ganze Sortiment, täglich oder mehrmals wöchentlich, mit Rechnung und Rückverfolgbarkeit. Mindestbestellwerte sind üblich, die Preise folgen dem Markt und schwanken. Für Saisonware ist der Großhandel dann sinnvoll, wenn die Küche Mengen braucht, die kein einzelner Betrieb liefern kann.

Der Direktbezug beim Erzeuger liefert die klarste Herkunft und oft den besten Preis, aber nur für Produkte, die der Betrieb anbaut. Mindestmengen, Liefertage und Verpackungseinheiten sind begrenzt. Wer direkt kauft, muss den Erntekalender des Betriebs kennen, nicht nur den allgemeinen.

Der Bündler oder Erzeugerzusammenschluss liegt dazwischen. Er sammelt Ware mehrerer Betriebe, liefert regionale Herkunft mit einer Rechnung und übernimmt Logistik und Qualitätssicherung. Für Gemeinschaftsverpflegung ist das häufig der praktikabelste Weg, weil ein Ansprechpartner bleibt.

Unabhängig vom Weg gelten die Vorgaben der Lebensmittelhygieneverordnung und ein HACCP-Konzept. Bei öffentlichen Auftraggebern kommt die Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen ins Spiel, in der Fassung der UVgO für Dienstleistungen. Saisonale Produkte lassen sich dort als Qualitätskriterium formulieren, wenn die Leistung eindeutig beschrieben ist.

Speiseplanung erstellen mit saisonalen Komponenten

Speiseplanung erstellen heißt, aus Erntekalender, Bezugsweg und Kalkulation einen verbindlichen Plan zu machen. Die folgenden Schritte haben sich in der Praxis bewährt.

  1. Planungszeitraum festlegen. Vier bis sechs Wochen sind in Schulen und Betrieben üblich, Veranstaltungen planen pro Termin.
  2. Erntefenster prüfen. Für jeden Monat des Zeitraums die verfügbaren Freiland- und Lagerprodukte notieren.
  3. Lieferanten abfragen. Verfügbarkeit, Mindestmengen, Preise und Liefertage schriftlich bestätigen lassen.
  4. Gerichte zuordnen. Pro Woche zwei bis drei saisonale Hauptkomponenten einplanen, der Rest bleibt Standardrepertoire.
  5. Kalkulation rechnen. Wareneinsatz, Personal und Energie pro Portion gegen den Erlös oder das Budget stellen.
  6. Plan veröffentlichen. Aushang, Speiseplanaushang und Allergenkennzeichnung aktualisieren.
  7. Nachkalkulieren. Nach vier Wochen Verbrauch und Abfall mit dem Plan vergleichen.

Die Checkliste für die wöchentliche Umsetzung:

  • Erntefenster der Woche gegen den Speiseplan geprüft
  • Verfügbarkeit bei allen Lieferanten bestätigt
  • Mindestbestellmengen und Liefertage eingehalten
  • Preise mit dem Vorjahresmonat verglichen
  • Portionsgrößen an Gästezahl angepasst
  • Reste für Folgetage eingeplant
  • Herkunft und Saison für die Kennzeichnung dokumentiert

Ein Praxisbeispiel: Eine Betriebskantine mit 800 Essen täglich plant im September Kürbissuppe, Kohlrouladen und Apfelkompott. Kürbis und Kohl kommen von einem Bündler aus Niedersachsen, Äpfel aus dem Alten Land. Die Küche bestellt am Montag für die Folgewoche und prüft am Freitag die Reste.

Wenn die Liefermenge nicht reicht, verschiebt sie Kohlrouladen auf den nächsten Zyklus. So bleibt der Plan saisonal, ohne dass einzelne Gerichte ausfallen.

Preisentwicklung und Kalkulation mit dem Verbraucherpreisindex

Saisonale Preise schwanken stark, und die Schwankung ist nicht dasselbe wie Inflation. Wer beides vermischt, kalkuliert falsch. Der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes trennt die allgemeine Teuerung von der saisonalen Bewegung, weil er die Preise für Nahrungsmittel und Verpflegungsdienstleistungen monatlich erfasst.

Für die Kalkulation heißt das: Der aktuelle Einkaufspreis eines Produkts wird mit dem Vorjahresmonat verglichen, nicht mit dem Vormonat. Ein Preisrückgang im August gegenüber Juli kann reine Saison sein. Ein Anstieg gegenüber dem Vorjahresaugust ist dagegen ein Signal für die Kostenentwicklung.

Praktisch reicht eine einfache Tabelle. Für die wichtigsten zehn bis zwanzig Positionen werden Einkaufspreis, Indexwert und Portionskosten monatlich eingetragen. So entsteht eine Preisbasis, die Angebote von Lieferanten bewertbar macht. Ohne diese Basis bleibt jede Kalkulation ein Gefühl.

Zusätzlich lohnt der Blick auf die Statistik zu Gastgewerbe und Verpflegungsdienstleistungen. Sie zeigt, wie sich Umsätze und Preise im Markt entwickeln, in dem die Küche agiert. Wer die eigene Preisentwicklung gegen diese Zahlen hält, erkennt, ob die Kosten im Rahmen liegen oder aus dem Markt laufen.

Lebensmittelabfälle vermeiden durch saisonale Mengenplanung

Lebensmittelabfälle entstehen selten in der Küche allein. Sie entstehen, wenn mehr eingekauft wird, als verarbeitet wird, wenn Portionen zu groß sind oder wenn Ware nicht rechtzeitig verbraucht wird. Saisonale Planung greift genau hier, weil sie Mengen an die tatsächliche Erntemenge koppelt.

Wer saisonal einkauft, kauft reife Ware mit kurzer Haltbarkeit. Das klingt nach höherem Risiko, ist aber ein Vorteil, wenn die Verarbeitung im gleichen Zyklus liegt. Frischer Kohl aus der Region hält sich anders als Kohl aus langer Lagerung, und der Speiseplan kann darauf reagieren.

Die wirksamen Maßnahmen sind bekannt. Bedarfsermittlung auf Basis der Gästezahlen, Portionsgrößen nach Zielgruppe, Resteverwertung am Folgetag, Schulung des Personals und regelmäßige Auswertung der Abfallmengen. Entscheidend ist die Messung, denn ohne Zahlen bleibt jede Maßnahme Vermutung. Das Umweltbundesamt zu Abfall und Ressourcen bündelt dazu die fachlichen Grundlagen.

Saisonale Mengenplanung senkt die Abfälle auf zwei Wegen. Erstens wird weniger Ware über den Bedarf hinaus gekauft, weil die Verfügbarkeit planbar ist. Zweitens wird Ware vollständig verarbeitet, weil Blätter, Stiele und Schalen in Suppen, Fonds oder Salate eingehen können. Beides zusammen reduziert Kosten und Abfallmenge zugleich.

Konkrete Daten und Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen in Küchen liefert die Übersicht des Umweltbundesamtes.

Nachvollziehbarkeit und Kennzeichnung saisonaler Produkte

Nachvollziehbarkeit der Herkunft ist in der Gemeinschaftsverpflegung kein Luxus. Sie ist Voraussetzung für Ausschreibungen, für die Kommunikation mit Gästen und für die eigene Qualitätssicherung. Wer saisonale Produkte einkauft, muss belegen können, woher sie kommen.

Die Rückverfolgbarkeit beginnt beim Lieferschein. Jede Lieferung braucht Angaben zu Erzeuger, Charge und Lieferdatum. Bei Direktbezug gehört der Betriebsname dazu, bei Bündlern die Liste der beteiligten Betriebe. Diese Angaben werden mit dem Speiseplan verknüpft, damit später nachvollziehbar ist, welches Gericht aus welcher Ware entstand.

Die Kennzeichnung gegenüber Gästen folgt denselben Daten. Region, Saison und Erzeuger lassen sich auf dem Speiseplan ausweisen, wenn die Angaben belegt sind. Bei öffentlichen Auftraggebern kann die Herkunft als Zuschlagskriterium formuliert werden, sofern die Leistungsbeschreibung eindeutig ist und die Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen eingehalten wird.

Für die Praxis reicht ein einfaches Herkunftsblatt pro Woche. Es enthält Produkt, Erzeuger, Region, Lieferdatum und die zugehörige Charge. Dieses Blatt ist gleichzeitig Nachweis für Prüfungen und Grundlage für die Gästekommunikation. Wer es führt, kann jede Saisonangabe belegen, statt sie nur zu behaupten.

Häufige Fragen

Welche Produkte haben im September in Deutschland Saison? Im September kommen Kürbis, Äpfel, Birnen, Lauch und Kohl aus dem Freiland, dazu Kartoffeln, Möhren und Rote Bete aus Lagerung. Die genauen Fenster verschieben sich je nach Region um zwei bis vier Wochen.

Wie plane ich den Einkauf bei kurzen Erntefenstern? Verfügbarkeit und Mindestmengen werden vor dem Planungszeitraum schriftlich beim Lieferanten abgefragt. Danach werden Gerichte mit kurzer Haltbarkeit früh in der Woche eingeplant, Lagerware später.

Welche Bezugswege eignen sich für Großküchen? Großhandel, Direktbezug beim Erzeuger und Bündler sind die drei üblichen Wege. Die meisten Küchen kombinieren sie, weil keiner alle Mengen, Sortimente und Liefertage allein abdeckt.

Wie hilft der Verbraucherpreisindex bei der Kalkulation? Er trennt saisonale Preisschwankungen von allgemeiner Teuerung. Deshalb wird der aktuelle Preis mit dem Vorjahresmonat verglichen, nicht mit dem Vormonat.

Wie vermeide ich Lebensmittelabfälle bei saisonaler Ware? Bedarfsermittlung nach Gästezahlen, angepasste Portionsgrößen, Resteverwertung am Folgetag und regelmäßige Messung der Abfallmengen sind die wirksamen Maßnahmen.

Wie belege ich die Herkunft saisonaler Produkte? Über Lieferscheine mit Erzeuger, Charge und Lieferdatum, verknüpft mit dem Speiseplan. Ein wöchentliches Herkunftsblatt dient als Nachweis und als Grundlage für die Gästekommunikation.

Mehr aus Speiseplanung

Speiseplanung

3 Schritte zur Speiseplanung nach dem DGE-Qualitätsstandard für Kitas

Speiseplanung erstellen in Kitas: Drei Schritte führen vom DGE-Qualitätsstandard über NQZ-Empfehlungen zu Wochenplan, Einkauf und Dokumentation.

Speiseplanung

Speiseplanung: worum es in dieser Rubrik geht

Platzhalter für Verpflegungsart. Diese Rubrik behandelt speiseplanung. Wird durch importierte Beiträge ersetzt.